Der 1. August 2026 ist ein besonderes Datum. Ab diesem Tag greift der bundesweite Rechtsanspruch auf eine ganztägige Förderung für Kinder im Grundschulalter, jährlich aufsteigend ab Klasse eins. Das heißt, mit Beginn des neuen Schuljahrs muss für alle Kinder in diesem Alter ein Platz in einer Schule verfügbar sein, der die Betreuung auch am Nachmittag bis in den frühen Abend gewährleistet.
Das ist für die Stadtverwaltung eine richtig große Herausforderung, insbesondere, weil das Land noch keine gesetzlichen Ausführungsbestimmungen vorgelegt hat. Deshalb haben bekanntlich im Dezember mehrere nordrhein-westfälische Städte, darunter auch Krefeld, bei den Verwaltungsgerichten geklagt. Sie kritisieren ausstehende Rechtsvorgaben, etwa zu Raumkonzepten, Personalbemessung oder Qualitätsstandards, und insbesondere die fehlende auskömmliche Finanzierung. Zur Vorberichterstattung geht es hier.
Schon seit Jahren treibt die Stadt Krefeld den Ausbau und die qualitative Fortentwicklung des Ganztagsangebots auch deshalb mit beträchtlichen kommunalen Anstrengungen voran. Sie stemmt einen hohen freiwilligen Eigenanteil und hat darüber hinaus eigene Qualitätsstandards entwickelt. Nun hat die Schulverwaltung erstmals den Status Quo des Offenen Ganztags in Krefeld in einen Bericht gefasst. Die systematische Bestandsaufnahme beleuchtet rechtliche und finanzielle Grundlagen, Träger- und Angebotsstrukturen, Betreuungsmodelle sowie Entwicklungsschritte aus hiesiger Perspektive. Ausgearbeitet hat den rund 50seitigen Bericht Susanne Döhnert, die im Fachbereich Schule, Pädagogischer und Psychologischer Dienst für das Bildungsmonitoring zuständig ist.
Seit 2018 richtet die Stadt für ihre 31 Grundschulen und drei Förderschulen im Primarbereich jedes Jahr rund 375 neue Betreuungsplätze ein. Seither hat sich die Kapazität von 3.058 auf 5.487 Plätze sowie von 127 auf 227 Gruppen erhöht. Die Versorgungsquote wuchs damit von rund 29 auf 61 Prozent. Bis 2027 peilt die Stadt einen Wert von 68 Prozent an. Auch finanziell investiert Krefeld weitaus mehr, als es der Pflichtanteil von € 3,17 Millionen vorschreibt. Den städtischen Beitrag stockt die Verwaltung freiwillig mit € 9,8 Millionen auf. Das Gesamtvolumen zur Finanzierung des Ganztags stammt damit zu mehr als die Hälfte aus kommunalen Mitteln.
Ein Schwerpunkt des OGS-Berichts liegt in der kooperativen Qualitätsentwicklung und -sicherung des Krefelder Ganztagsangebots. „Auch hier haben wir im engen Zusammenspiel mit den Schulen, der Jugendhilfe und den OGS-Trägern wesentliche kommunale Strukturen etablieren können“, erklärt Ellen Schönen, Leiterin des Fachbereichs Schule, Pädagogischer und Psychologischer Dienst.
Trotz positiver Entwicklungen sieht sich der Offene Ganztag in Krefeld weiterhin Herausforderungen gegenüber, die auch die jetzt veröffentlichte Bestandsaufnahme aufführt. Neben der finanziellen Belastung betrifft das insbesondere die angespannte räumliche Situation. Die ganztägige Betreuung erfordert aufgrund der Mittagsverpflegung, Hausaufgabenbetreuung und Freizeitaktivitäten einen räumlichen Mehrbedarf, der über den des regulären Unterrichtsbetriebs hinausgeht. Obschon ein gewichtiger Teil des Investitionspakets „Krefeld macht Schule“ in den Bau und die Sanierung von Schulen mit rund 250 Millionen Euro seit 2018 in Küchen und Mensen geflossen ist, plant die Stadt weitere Maßnahmenpakete.
Der OGS-Bericht ist online verfügbar, er kann ohne weiteres mit diesem Link www.krefeld.de abgerufen werden.
PS: Wie dem Bericht zu entnehmen ist, wird bisher wenig mehr als die Hälfte der Versorgungsquote erreicht. Das ist natürlich viel zu wenig. Und dass es nicht zu Aufständen kommt, ist lediglich dem Umstand zu verdanken, dass nicht so viele Familien von dem Angebot Gebrauch machen, ihren Nachwuchs, der die Kita durchlaufen hat, nun auch noch während der Schulzeit erst wieder am späten Nachmittag zu sehen. Wer so etwas in seine Lebensplanung einbezieht, delegiert erzieherische Maßnahmen und verzichtet auf familiäres Leben.