Der langjährige Direktor des Krefelder Zoos, Dr. Walter Encke, ist am Dienstag im Alter von 95 Jahren verstorben. Ein Visionär ist gegangen. Mit ihm verlieren der Zoo und die Stadt Krefeld eine Persönlichkeit, welche die Entwicklung des Tiergartens über Jahrzehnte hinweg entscheidend prägte und weit über die Grenzen Krefelds hinaus Maßstäbe für moderne Zooarbeit setzte. „Dr. Walter Encke war ein echter Pionier“, wird Oberbürgermeister Frank Meyer zitiert. „Er hat den Krefelder Zoo in seiner heutigen Form maßgeblich aufgebaut und ihm eine Bedeutung verliehen, die weit über die Stadt hinausreicht. … .“

„Dr. Walter Encke hat unseren Zoo von Grund auf aufgebaut und ihm seine Identität gegeben. Die Haltung zu Mensch, Tier und Natur im Zoo Krefeld wurde durch das Wirken von ihm geprägt und hat bis heute Bestand. Die Ausrichtung unseres Zoos mit einer naturnahen Tierhaltung, den Bestrebungen im Artenschutz und der wissenschaftlichen Arbeit sowie die besondere Atmosphäre unseres Parks leiten sich aus seinen Visionen und seiner Arbeit ab“, kommentierte die jetzuge Direktorin des Zoos, Dr. Stefanie Markowski, das Ableben einer ihrer Vorgänger Dr. Walter Encke übernahm 1959 im Alter von nur 28 Jahren die Leitung des damaligen Krefelder Tiergartens und war damit seinerzeit der jüngste Zoodirektor Deutschlands. Was er vorfand, war ein kleiner Tierpark mit wenigen Anlagen und großem Entwicklungsbedarf. Mit fachlicher Kompetenz, Weitblick und großer Leidenschaft entwickelte Encke in den folgenden 37 Jahren ein Konzept, das den Fortbestand des Zoos, was nicht selbstverständlich war, denn Zoos sind keine Selbstverständlichkeit in deutschen Großstädten, viele wurden nach dem 2. Weltkrieg aufgegeben.
Encke verwirklichte sein Ziel, für Wildtiere optimale und naturnahe Lebensräume zu schaffen und dabei den Parkcharakter des Zoogeländes zu bewahren. Einen Schwerpunkt bildeten Tiere der afrikanischen Steppe und die Tierwelt Südamerikas. Besonderes Augenmerk legte er auf seltene und bedrohte Tierarten sowie auf die Erhaltungszucht. Damit setzte er bereits früh Maßstäbe, die heute zu den Kernaufgaben moderner zoologischer Gärten gehören. Unter seiner Leitung entstanden zahlreiche Anlagen, die den Charakter des Krefelder Zoos ausmachen.

Internationale Anerkennung erhielt insbesondere das 1975 eröffnete Affentropenhaus. In einer Zeit, in der eine rein funktionale Menschenaffenhaltung üblich war, orientierte sich Dr. Walter Encke an den arttypischen Bedürfnissen und entwickelte eine neue Haltungsform basierend auf den Erkenntnissen der Feldforschung von Jane Goodall und George B. Schaller.
Das Affentropenhaus galt weltweit als wegweisend und revolutionär. Es folgten weitere bedeutende Projekte wie die Vogeltropenhalle sowie die Planungen für das spätere Regenwaldhaus.
Große Erfolge erzielte Dr. Walter Encke bei der Zucht bedrohter Tierarten wie Mähnenwölfe und Berg-Anoas. Unter seiner Leitung gelangen z.B. die weltweit ersten erfolgreichen Aufzuchten von im Zoo geborenen Geparden. Mit der Schneeleopardenzucht begründete der Krefelder Zoo ab den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine der erfolgreichsten Zuchtlinien Europas. Mehr als 20 in Krefeld geborene Schneeleoparden wurden bis zu seinem Ausscheiden an zoologische Einrichtungen in aller Welt vermittelt. Der Schneeleopard ist bis heute ein Schwerpunkt der Artenschutzarbeit und bekanntlich das Wappentier des Krefelder Zoos.
Das Engagement für den Natur- und Artenschutz wurde auch in der Familie Enkckes gelebt, mit der er im Bauernhaus des Krefelder Zoos wohnte und wirkte. Mit Dr. Dag Encke, Direktor des Tiergarten Nürnberg und Präsident des Verbands der Zoologischen Gärten (VdZ), sowie Björn Encke, Geschäftsführer der Artenschutzinitiative Citizen Conservation, engagieren sich zwei seiner Söhne bis heute in führenden Funktionen für den Erhalt der biologischen Vielfalt.