Das hat man zuvor nicht verinnerlicht, bis es ein Förster publizierte: Ein Wald ist ein Beziehungsgeflecht aus Wurzeln und Pilzen, Ästen und Blättern, Licht und Schatten, Wachstum und Vergehen.
Dass man so etwas auch in einer Ausstellung erleben könnte, will das Deutschen Textilmuseum Krefeld zeigen. Soeben ist „Sehnsucht Wald“ eröffnet. Sieben junge Leute, die an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach studieren, versprechen, Textilien in einen sinnlichen Erfahrungsraum zu transformieren. Dort, wo sich textile Strukturen verdichten, wo Muster wachsen und Materialien etwas mitteilen, entsteht ein Raum, der mit Natur weniger zu tun hat – und doch erstaunlich viel über sie verrät. Das Thema „Wald“ entfaltet sich so in den Objekten , die etwas bewirken

Jule Plähns „Objekt 70“ will kein klassisches Ausstellungsstück sein, sondern ein therapeutisches Hilfsmittel. Ein textiler „Pilz“, der atmet und leuchtet, um bei der Bewältigung von Angstzuständen zu unterstützen. Die Idee, Design könne nicht nur betrachtet werden, sondern direkt wirken, wird damit konsequent probiert. Ihre Idee hat sich die Studentin inzwischen patentieren lassen und sucht nun nach Sponsoren, welche eine Produktion ermöglichen.
Vom Unikat zum Produkt könnte auch ein Weg sein für einen besonderen Liegestuhl von Malena Bolt. Besucher der Ausstellung sollen schon nachgefragt haben, ob das Objekt zu erwerben sei. Mit „Folded Forest – Leaning into the Woods“ bringt Bolt den Wald auf den Balkon oder an den Strand. „Für mich hat Wald viel mit Atmosphäre gemein, ein Ort zum Durchatmen“, wird die Studentin zitiert. ein doppellagiges Jacquardgewebe für einen Liegestuhl wird zur sinnlichen Übersetzung von Waldboden – wandelbar, vielschichtig, atmosphärisch.
Der Liegestuhlstoff soll dazu einladen, Natur nicht nur zu betrachten, sondern sich buchstäblich darauf einzulassen. Nur im Museum bleibt die Sitzprobe verwehrt.
Die sieben Studentinnen und Studenten hören „Design-Ingenieur Textil“ an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach. Die Kooperation mit dem Deutschen Textilmuseum Krefeld entstand aus einer Begegnung zwischen Museumsleiterin Dr. Annette Schieck und Anna Koch, Professorin für Textildesign im Kontext der „Genderforschung“. Sie lernten sich im vergangenen Jahr in der Jury zur „Goldenen Seidenschleife“, einem Modepreis der Stadt Krefeld, kennen. Aus dem Gespräch entwickelte sich rasch die Idee einer Zusammenarbeit bei der Ausstellung „Sehnsucht Wald“.

Fotograf: Dirk Jochmann ©, 47807 Krefeld für Presse und Kommunikation
Kurzerhand konzipierte die erwähnte Anna Koch einen neuen Semesterplan. „Das war eine einmalige Chance“, betont die Dame. Sie ermöglichte damit außerhalb der Hochschule Arbeiten auf einer internationalen Bühne zu präsentieren. Und so entstanden Skizzen, Entwürfe und Objekte. Aus den Semesterarbeiten erwuchs die einmalige Gelegenheit, Konzepte zwischen Design und Kunst nicht nur zu denken, sondern in einem Museumsraum auszustellen. „Die Rückmeldungen, die kamen, waren alle sehr spannend“, wird die andere Museumsleiterin zitiert.
Im Lauf der Ausstellung in Krefeld sollen übrigens weitere studentische Arbeiten aus Mönchengladbach gezeigt werden. Daran arbeiten zurzeit die Museumsleitung. Zu dem Entstehungsprozess der aktuell zu sehenden Objekte gibt es im Museumsfoyer übrigens einen Film.
Das Deutsche Textilmuseum zeigt aktuell die Ausstellung „Sehnsucht Wald“. Mehr als 160 Einzelarbeiten aus Deutschland, Polen, der Slowakei, Spanien und der Ukraine von angehenden Textilingenieurinnen sowie Absolventinnen der Hochschule Niederrhein sind im Haus am Andreasmarkt anwesend. Allen ist die Auseinandersetzung mit dem Wald und seinen Lebensformen gemeinsam unter Zuhilfenahme textile Materialien. Ein Höhepunkt bildet das „Waldwunder – der Pfälzerwald in Schnur und Garn“. Das Kunstwerk besteht aus rund 5.000 gehäkelten Teilen.
Zur Webseite mit Öffnungszeiten geht es hier: www.deutschestextilmuseum.de.