Ein Klima des Dialogs und der Fürsorge

Mit einer gemeinsamen Erklärung haben sich Städte aus ganz Europa am 7. Mai in Brüssel zu den europäischen Werten bekannt. Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer nahm in Begleitung von Sandra Franz, Leiterin der NS-Dokumentationsstelle Villa Merländer, an der Konferenz des Netzwerks „Cities of Remembrance“ beim Europäischen Ausschuss der Regionen teil. Dabei ungefähr 150 Frauen und Männer, die in ihrer Heimat Verantwortung tragen.

Mit einem Abschlussdokument „The Brussels Pledge“  – Brüsseler Versprechen – bekannten sie sich zu Freiheit, Demokratie und Menschenrechten. Sie gaben das Versprechen ab, die Bevölkerung zu beschützen, universelle Werte zu verteidigen und den „Aufbau eines souveränen, fortschrittlichen, widerstandsfähigen, vielfältigen,  weltoffenen und friedensfördernden Europas“ voranzutreiben, in einem Klima des Dialogs und der Fürsorge.

In seinem Redebeitrag  erklärte Krefelds OB, Frank Meyer: „Während Autokraten weltweit ihre Macht ausbauen, alte Gewissheiten bröckeln und militärische Lösungen für politische Konflikte immer beliebter werden, müssen wir unsere Stimme noch lauter erheben“, sagte er. „Als Städte der Erinnerung wissen wir …, dass dieser Weg die Welt in Chaos und Zerstörung

führt. Unsere Städte haben im Zweiten Weltkrieg schwer gelitten – und wir können es nicht ertragen, dass Butscha, Gaza, Teheran oder Al-Faschir im 21. Jahrhundert auf dieselbe Weise leiden. Wir als Städte haben unsere eigene Rolle in dieser Geschichte, wir haben unsere eigene Stimme: Wir unterscheiden uns in unseren historischen Hintergründen und in der Art und Weise, wie wir gelitten und Leid verursacht haben – aber diese Vielfalt ist Teil unserer Stärke.“

Der Krefelder Oberbürgermeister erinnerte auch an den gemeinsamen Besuch in den Ruinen des französischen Oradour-sur-Glane im Jahr 2024, an dem auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der französische Staatspräsident Emmanuel Macron teilnahmen. Dort geschah m 10. Juni 1944 Schreckliches: SS-Truppen töteten an diesem Tag dort 643 Zivilisten darunter viele Frauen und Kinder, aus Rache für eine andere Greultat.

„Am 80. Jahrestag des Massakers ist mir die Bedeutung und die Tragweite unseres Netzwerks vollends bewusst geworden“, erklärte Frank Meyer. „Was Menschen einander antun können, was die Deutschen unschuldigen Zivilisten antaten, nicht nur in Oradour, sondern auf dem ganzen Kontinent und in den unmenschlichen Mechanismen der Konzentrationslager – daraus entsteht eine Verantwortung, die niemals verschwinden wird. Wir müssen diese Erinnerung wachhalten – die Erinnerung an die Toten, deren Namen während der Gedenkfeier in Oradour verlesen wurden, und ganz allgemein die Erinnerung an die furchtbaren Folgen des Krieges.“

Oberbürgermeister Frank Meyer verabschiedete bei einem Treffen des Netzwerks „Cities of Remembrance“ in Gemeinschaft mit anderen Verantwortlichen aus europäischen Städten in Brüssel ein Abkommen zur Verteidigung europäischer Werte. Mit dabei war z.B. sein Amtskollege aus Venlo, Antoin Scholten, die Nachbarstadt, mit der Krefeld bekanntlich freundschaftliche Beziehungen unterhält
 

In der Manifestation des „The Brussels Pledge“ und in den Redebeiträgen wurde die Bedeutung der jungen Generation für dieses Anliegen hervorgehoben. Kinder und Jugendliche arbeiten regelmäßig an Projekten des Netzwerks mit, die in Krefeld über die NS-Dokumentationsstelle organisiert werden. „Die Älteren, die die Katastrophen des Zweiten Weltkriegs miterlebt haben, werden nicht mehr lange unter uns weilen. Unsere Generation, die die Berichte aus erster Hand gehört hat, muss jetzt Verantwortung übernehmen und alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Erinnerung wachzuhalten. Doch es sind die Jüngeren, die die gewonnenen Erkenntnisse für die Zukunft bewahren müssen“, wird Frank Meyer zitiert. „Die Brüsseler Erklärung, zu der wir uns heute bekennen wollen, erwähnt die jüngeren Generationen ausdrücklich und aus gutem Grund: Für uns alle, aber besonders für sie, wollen wir europäische Werte zum Ausdruck bringen, verteidigen und schützen.

Die Stadt Krefeld gehört dem Netzwerk „Cities of Remembrance“ seit 2023 an. Es wurde vor zehn Jahren von Krefelds französischer Partnerstadt Dunkerque ins Leben gerufen und vereint weltweit Städte, die in den Weltkriegen stark zerstört wurden und sich zu einer lebendigen Erinnerungskultur bekennen. In Brüssel trafen sich die Städte erstmals auf Einladung des Europäischen Ausschusses der Regionen.

In der Tradition des „Weimarer Dreiecks“ – das sollte eigentlich den Überfall Russlands auf die Ukraine verhindern – sprach Frank Meyer am Donnerstag gemeinsam  mit dem Bürgermeister von Dünkirchen, Patrice Vergriete, und der Bürgermeisterin von Danzig, Aleksandra Dulkiewicz über die Geschichte, die aktuellen Anliegen und die künftigen Perspektiven des Städtenetzwerks. Ukrainische Vertreter, wie der Bürgermeister von Butscha, Anatolii Fedoruk, und der Bürgermeister von Mariupol, Vadim Boytchenko, thematisierten bei der Veranstaltung in Brüssel die Verteidigung europäischer Werte im Angesicht dessen, was in der Ukraine zur Zeit passiert.

Das Abschlussdokument „The Brussels Pledge“ steht in direkter Nachfolge des „Dunkirk Appeal“, der im Mai 2025 bei einem Symposium in Dunkerque beschlossen wurde. Darin bekennen sich die Mitgliedsstädte des Netzwerks dazu, die Erinnerung an den Krieg und das Leid der Bevölkerung wachzuhalten, dem Aufkommen von Nationalismus, Populismus und Extremismus entgegenzuwirken und die Zugehörigkeit zu Europa zu fördern.

Das Beitragsbild zeigt de grote Mart in Brüssel, mit freundlicher Genehmigung Wikipedia entnommen

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