Eine neue Spaßkultur kündigt sich an

Der Weg in die Unabhängigkeit ist steinig. Zwar investieren Hotelketten und Privathoteliers in die eigenen Buchungskanäle, aber auf die Kontakte verzichten, die HRS, Booking.com und andere liefern, will kaum jemand. A&O Hostels haben HolidayCheck generell untersagt, etwas über ihr Unternehmen zu veröffentlichen. Das ist allerdings ein Sonderfall. Die Berliner Hostels waren erheblichen Repressalien ausgesetzt, weil falsche Behauptungen veröffentlicht wurden, deren Widerruf erst durch mehrere Instanzen halbwegs durchgesetzt werden konnte.

Das ist natürlich die Krux bei den Bewertungen. Acht gute wiegen keine eine schlechte auf. Und böswillig schlechte, gelegentlich auch mit erpresserischem Hintergrund, sind absolut nicht zu vermeiden, solange die Portale nicht verpflichtet sind, den Wahrheitsgehalt zu prüfen. Als es nur gedruckte oder Veröffentlichungen im Fernsehen gab, war es selbstverständlich, daß eine Tatsachenbehauptung zuvor verifiziert wurde.

Das ist nun anders in unserer schönen neuen Welt, die so manchem Schelm die Tür aufhält. So wurde kürzlich berichtet, ein Hotelgast habe nach seinem Aufenthalt gepostet, der Inhaber der Herberge nehme Rauschgift und die Rezeptionistin sei unzüchtig.

Und das ist vielleicht erst der Anfang einer neuen Spaßkultur. Der Vorsitzende der ins Europaparlament gewählten Gruppierung, die sich „Partei“ nennt (steht „für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Eliteförderung und basisdemokratischer Initiative“), Martin Sonnborn, will 60 Parteimitliedern die Möglichkeit geben, in den kommenden fünf Jahren einen Monat lang Mitglied des Parlaments bei Bezügen von jeweils € 33 000 zu werden, damit diese sich einmal die Stadt ansehen, um danach sechs Monate Übergangsgeld zu beziehen. „Wir melken also die EU wie ein kleiner südeuropäischer Staat,“ sagte Sonnborn dpa.

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