„Stolpersteine“ sind in Messing eingefasste Steine auf Bürgersteigen. Wer sie gewahr wird, mag sich an eines der mehr als traurigen Kapitel deutscher Geschichte erinnern. Nach der Reichsprogromnacht im November 1938 begann deutschlandweit und später auch in den von der Wehrmacht besetzten Ländern die systematische Verfolgung jüdischer Menschen und ihre Vernichtung in sogenannten Konzentrationslagern. Die Nationalsozialisten beriefen sich dabei auf die von ihnen herbeigeführten Nürnberger Gesetze, die das möglich machten.

„Stolpersteine“ gibt es etliche in Krefeld. Sie sind dort in den Bürgersteig eingelassen, wo jüdische Familien und Einzelpersonen lebten, bevor sie deportiert wurden oder Deutschland gerade noch so verlassen konnten. Nicht nur Juden wurden verfolgt und ermordet, auch andersdenkende Personen und schließlich auch noch behinderte Menschen, die der Euthanasie zum Opfer fielen, weil die Wissenschaft den Nationalsozialisten attestierte, es gäbe so etwas wie „unwertes Leben“.
Die Kosten für die in den Boden angelassenen Denkmale werden von Privatpersonen, Firmen oder Organisationen gespendet. Die Krefelder Stolperstein-Verlegungen werden vom Förderverein Villa Merländer organisatorisch unterstützt. Die Biografien der Personen, an die sich so erinnert werden kann, sind von der NS-Dokumentationsstelle erarbeitet.
In Krefeld wurden am 9. Dezember mit Gunter Demnig, auf den die „Stolpersteine“ zurückgehen, an sechs Stellen im Stadtgebiet welche verlegt, weitere acht Steine, so auch an der Krefelder Straße 33 für das Ehepaar Karl und Betty Kaufmann (geborene Halperin). Beide wurden als Juden verfolgt, wobei der Vater von Betty Kaufmann, Leo Halperin, Kantor der Krefelder Jüdischen Gemeinde war. Karl Kaufmann wurde im Zuge des Novemberpogroms 1938 in das Konzentrationslager Dachau verschleppt, konnte aber frei kommen Er und seine Frau Betty Kaufmann verließen im Februar 1939 Krefeld und emigrierten über die Niederlande in die USA. Dort verstarb Karl Kaufmann 1967.
In einem Haus an der Hülser Straße 113 wohnte Josef Hellenbrock. Dieser wurde als bekannter Sozialdemokrat mehrfach von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) verhaftet. Er wurde 1935 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verurteilt, weil er sozialistische Schriften verbreitet habe. Glücklicherweise überlebte er das Ende des Zweiten Weltkrieges, wurde Oberbürgermeister der Stadt Krefeld, Mitglied des Landtags NRW und des Bundestags. Er wurde mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet und zum Ehrenbürger der Stadt Krefeld ernannt. Er starb 1977.
Für Georg Meurers wurde an der St.-Anton-Straße 116 ein Stolperstein verlegt. Dieser lebte am Existenzminimum und wurde aufgrund von Arbeitslosigkeit als „asozial“ verfolgt. Im Mai 1938 ordnete die Geheime Staatspolizei seine Unterbringung im Konzentrationslager Buchenwald an, wo er im Februar 1940 verstarb. Laut Gestapo-Unterlagen konnte sich seine Familie eine Überführung der Asche nach Krefeld nicht leisten.
Heinrich Malina lebte mit seiner Familie an der Reichsstraße 24. Er war langgedienter Eisenbahn-Gewerkschafter und Sozialdemokrat. Er wurde zum Ziel der einzigen bekannten Bücherverbrennung in Krefeld, als das Gewerkschaftshaus „Präsidium“ auf dem Nordwall, Ecke Steinstraße, Ende Mai 1933 angegriffen wurde, heißt es in einer Mitteilung der Pressestelle der Stadt. Mehrmals nahm ihn die Gestapo in „Schutzhaft“, unter anderem im KZ Kemna in Wuppertal. Aufgrund seiner Untergrund-Tätigkeit für die verbotene Internationale Transportarbeiter-Föderation wurde er 1937 zu einer fünfjährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Im Anschluss verhaftete ihn die Gestapo und verbrachte ihn in das KZ Sachsenhausen, wo ihm wiederum die Gründung einer Widerstandsgruppe vorgeworfen wurde. Daraufhin wurde er in das KZ Mauthausen verlegt, wo er im Mai 1945 von US-Truppen befreit wurde. Nach seiner Rückkehr wirkte Malina abermals in der Gewerkschaftsbewegung, bis er 1964 starb. Nach ihm wurde eine Straße in Krefeld-Oppum benannt.
An der Petersstraße 99 stand nicht nur die Synagoge, sondern daran angebaut auch die Dienstwohnung des Kantors der Gemeinde. Dieses Amt wurde – wie schon erwähnt – von Leo Halperin bekleidet, der mit seiner Frau Chone Riwa (auch „Anna“ genannt) und zwei Töchtern aus erster Ehe dort wohnte. Das Novemberpogrom 1938 und die Brandstiftungen in der Synagoge überlebte die Familie, laut Augenzeugen, nur knapp. Leo wurde wie sein Schwiegersohn Karl Kaufmann im Konzentrationslager Dachau inhaftiert, aber befreit. Leo und Chone verließen Krefeld im Februar 1939 nach Belgien, reisten aus ungeklärten Gründen nicht in die USA aus. Beide wurden unter der deutschen Besatzung in Lagern festgehalten. Leo und Chone Riwa Halperin wurden vom SS-Sammellager Mecheln in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet.
An der Alten Linner Straße 60 wohnte Johannes Thabor. Er war in der Weimarer Zeit u.a. Vorsitzender der Krefelder SPD und Mitglied des Reichstags. Er saß unter den Nationalsozialisten mehrfach in Haft, da ihm Betätigung für die illegale SPD vorgeworfen wurde. Nach Kriegsende zog er nach St. Tönis und wurde 1946 von den Briten, die das Rheinland besetzt hielten, in den neu geschaffenen Landtag NRW berufen. Er strebte ein Bundestagsmandat an, verstarb 1949 in Krefeld..