Literaturpreis für Fiona Sironic

Die Schriftstellerin Fiona Sironic hat in der Fabrik Heeder den Niederrheinischen Literaturpreis der Stadt Krefeld erhalten. Oberbürgermeister Frank Meyer, der die mit € 10.000  dotierte Auszeichnung überreichte, würdigte ihren Roman „Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“ als „Buch von brennender Aktualität“, welches den Leser gnadenlos mit drängenden Themen der Gegenwart konfrontiert.

„Literatur vermag es, gesellschaftliche Entwicklungen unter ein Brennglas zu legen, den Fokus eng zu ziehen und gleichzeitig zu weiten, Gedanken und Gefühle auf eine Weise zu ordnen, wie es der täglichen Nachrichtenflut kaum mehr gelingen kann“, so der Oberbürgermeister in seiner Ansprache. „Literatur kann im Wirbel der Welt kurz die Pause-Taste drücken, so dass wir … Zeit bekommen, uns  durch die Augen der Figuren umzusehen, Verbindungslinien zu ziehen und uns bewusst zu machen, was wir da täglich sehen, erleben und verarbeiten müssen.“

Das Foto zeigt Fiona Sironic
Fiona Sironic, Ausschnitt eines Fotos von Presse und Kommunikation der Stadt Krefeld

Das Buch spielt in einer Zeit, in der die Folgen des Klimawandels dramatisch zu erleben sind. Die fünfzehnjährige Hauptfigur Era lebt mit ihrer Mutter in einer Hütte in den Wäldern und hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Aussterben von Vögeln akribisch zu dokumentieren. Ihre Mitschülerin

Maja ist hingegen mit ihrer Schwester Merle nicht auf Bewahrung aus, sondern auf Zerstörung. Als Töchter erfolgreicher Influencerinnen möchten die beiden die Erinnerung an ihre Kindheit mit Gewalt auslöschen. Die Jury, die sich für das Werk entschied würdigt in ihrem Urteil „die eigenständige Stimme der Autorin, der es auf beeindruckende Weise gelingt, hochaktuelle Themen wie Klimawandel, Artensterben, Queerness und Digitalität miteinander zu verknüpfen und ansprechend darzustellen.“ Ihr Roman entwerfe ein „Zukunftsszenario, das nur wenige Jahre von unserer Gegenwart entfernt ist und gerade dadurch eine besondere Dringlichkeit entfaltet“. Der Text blicke „mit einer geschickten Beiläufigkeit in psychologische, gesellschaftliche und politische Abgründe“ und verzichte auf moralische Eindeutigkeit.

Fiona Sironic, geboren 1995 in Neuss, wurde als eine von 14 deutschsprachigen Autorinnen und Autoren zum renommierten Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis im Rahmen der 50. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt eingeladen. Ihr Debütroman „Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“ erschien 2025 im Ecco-Verlag und wurde für die Shortlist des Deutschen Buchpreises nominiert. Sironic studierte Sprachkunst, Kreatives Schreiben und Gender Studies in Hildesheim und Wien. Die Laudatio auf das Buch und seine Autorin hielt der Juryvorsitzende Dr. Henning Heske, der das Werk als „Climate Fiction“ einstufte, die es den Lesern ermögliche, die Folgen ihres heutigen Handelns zu erkennen.

Fiona Sironic bedankte sich ifür die Auszeichnung. Mit € 10.000 Euro Preisgeld, gestiftet von der Sparkasse Krefeld, will sie ihre Bafög-Schulden abbezahlen. Musikalisch wurde die Veranstaltung durch den Mönchengladbacher Pianisten und Elektronikmusiker Georg Sehrbrock begleitet.

Die Stärke des Niederrheinischen Literaturpreises der Stadt Krefeld sei seine inhaltliche Vielfalt, resümierte Frank Meyer, und blickte auf die Verleihungen der letzten zehn Jahre zurück. „Von Lyrik über dörfliche Heimatromane bis hin zum Spionage-Thriller hatten wir vieles dabei – nun also ein düsterer Zukunftsroman, der einen brisanten Gegenwartsstoff spiegelt und diese Reflektion auf uns zurückwirft“, so wird der OB ziitert. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben. Vorherige Preisträger sind z.B. Christoph Peters, Elke Schmitter, Ulla Lenze, Burkhard Spinnen und Hans Neuenfels.

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