Mordfall Sonja K. – Tatverdächtiger dingfest

St.Tönis. Einen Tatverdächtigen im Mordfall Sonja K. hat die Polizei in Krefeld dingfest machen können am frühen Morgen des 8.Oktobers an seiner dortigen Wohnanschrift, wie auf einer Medienkonferenz im Mönchengladbacher Polizeipräsidium am heutigen Dienstag, dem 13. Oktober, mittgeteilt wurde. Dabei handelt es sich um einen 59jährigen Mann, der in Deutschland geboren wurde, allerdings einen italienischen Pass hat. Bei seiner Festnahme habe er sich kooperativ verhalten, berichtete Kriminalhauptkommissarin Stefanie Kohnen. Zu dem Vorwurf, er sei einer der vermutlich mehreren Mördern, habe er sich auch in Anwesenheit eines ihm beigeordneten Verteidigers nicht geäußert.

Die Vortragenden im Mordfall Sonja K. whrend einer Medienkonferenz im Präsidium Mönchengladbach
Trugen den Sachverhalt vor und standen während der Medienknoferenz Rede und Antwort, v.l.n.r.: Boris Vieten, Leiter Kriminalinspektion 1, Rahel Plass, Staatsanwaltschaft Krefeld, Stefanie Kohnen, Ermittlungsgruppe Cold Case, Isabella Jansen, die neue Leiterin Presse und Öffentlichkeitsarbeit im Präsidium Mönchengladbach, Foto: Philipp Maas für Gladbacher Tageblatt

Was ist passiert? Am Mittwoch, 25.01.95, drangen Unbekannte gegen 8.30 Uhr in die Lidl-Filiale an der Hochstraße 33-35 in St. Tönis im Kreis Viersen ein, um dort Bargeld zu entwenden. Im Weg stand ihnen Filialleiterin Sonja K., welche vor Filialöffnung mit dem Einräumen der Ware beschäftigt war. Die Täter entwendeten ihren Schläüsselbund, der auch den Zugang zum Tresor ermöglichte,  entnahmen aus dem Tresor mehrere tausend Mark und ließen Sonja K. zurück, die sie knebelten. Wahrscheinlich schrie sie um Hilfe und wurde deshalb erdrosselt und verstarb vor Ort, wie Angestellte der Lidl Filiale bei ihrem Eintreffen an diesem Morgen bemerkten. Sonja lag im Toilettenbereich, die Hände auf dem Rücken gefesselt, ihr Gesicht mit Klebeband verklebt. Die herbeiberufene Polizei und der Rettungsdienst stellten ihr Ableben fest.

Mit modernen Methoden, die vor 30 Jahren noch nicht zur Verfügung standen, ist es nun gelungen, DNA-Spuren auszuwerten, die damals gesichert werden konnten –  die Hauptkommissarin sprach davon, man habe Folien gezogen  -, die jetzt zu dem Tatverdächtigen führten. Der war schon damals in Augenscheingenommen worden als einer, der sich am Tatort auskannte, weil ihm das berufliche Umfeld das ermöglichte. Aber damals erhärtete sich die Verdächtigung nicht. Das änderte sich jetzt schlagartig als nach einer freiwillig abgegebenen Speichelprobe sich die damals gesicherten Hautpartikel als zugehörig erwiesen.

So war es eigentlich selbstverständlich, dass die Staatsanwaltschaft Krefeld Haftbefehl beantragte, welcher dann vom zuständigen Richter auch sogleich erlassen wurde, wie Staatsanwältin Rahel Plass auf der Medienkonferenz berichtete. Nun gehen die Ermittlungen weiter. Nach wie vor geht man davon aus, dass es mindestens noch einen weiteren Täter gibt. Auf die Frage des Gladbacher Tageblatts an Stefanie Kohnen, ob es denn noch weitere Indizien gibt, die darauf hinweisen, dass der Festgenommene der Mörder ist, wollte sie sich mit Verweis auf ermittlungstaktische Gründe nicht äußern.

Lesen Sie, wie der  „Cold Case“ aufgemacht wurde, der jetzt schon ordentlich Temperatur hat.

Das Beitragsfoto ist eine Abbildung von Sonja K., privat entstanden vor der Zeit.

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