Szenen von Armut, Sehnsucht & Verletzlichkeit

In Krefelds Partnerstadt Venlo ist im Museum van Bommel van Dam ab Samstag, 11. April, die Ausstellung „Nachtleben. Hanny Korevaar und Armand Bouten“. Im Haus am Keulsepoort 1 zu sehen. 1924 waren Werke des Künstlerpaars in Venlo schon einmal zhier präsent.

Hanny Korevaar (1893-1983) und Armand Bouten (1893-1965) richteten ihre Blicke seit den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts bis in die Nachkriegszeit auf das nächtliche Stadtleben. Gassen, Cafés, Terrassen, Tanzsäle und Bordelle. Dieses Milieu bildete die Kulisse für Szenen von Armut, Sehnsucht und Verletzlichkeit. Ihre unverblümte Herangehensweise an das Nachtleben machte ihre Werke für viele Zeitgenossen als zu gewagt. In den vergangenen Jahrzehnten ist das Interesse an diesen Expressionisten wieder gewachsen. Die Ausstellung ist bis zum 13. September geöffnet. Es gibt eine Eisenbahnverbindung von Krefeld nach Venlo über Viersen.

Armand Bouten, Titel unbekannt, 1925 Bruikleen Particulier, Limburgs Museum, Venlo, das Beitragsfoto zeigt Hanny Korevaar, Vrouw in stad, ca. 1920. Particuliere verzameling, Den Haag

Korevaar und Bouten lernen sich während ihres Studiums um 1915 in Amsterdam kennen. Ihr ursprüngliches  Interesse von Stillleben und ländlichen  Szenen verschiebt sich hin zum Nachtleben, das auch heute noch in Amsterdam außergewöhnlich ist. Sie fühlen sich im Leben außerhalb der etablierten Ordnung zu Hause. Die Farben werden heller, die Formen kantiger. Schwere Konturen verstärken die Ausdruckskraft ihrer Gemälde. Ihr Werk knüpft an an europäische Kunstbewegungen wie den französischen Fauvismus sowie den deutschen und flämischen Expressionismus. Für niederländische Verhältnisse ist ihr Werk ungewöhnlich direkt und ungehemmt, wird gesagt.  Korevaar muss sich seienerzeit mit Vorstellungen auseinandersetzen, welche Kunst für weibliche Künstlerinnen „geeignet“ ist. Ihr expressiver Stil und ihre gewagten Motive fallen auf und sind ihrer Zeit weit voraus.

Eigenwillig wie sie waren, schlossen sich Korevaar und Bouten keiner Künstlervereinigung an, stellten selten aus und verbrachten einen großen Teil ihres Lebens im Ausland. Ab Ende 1922 reist das nun verheiratete Paar durch Südosteuropa, mit Schwerpunkt Ungarn. Von diesem Zeitpunkt an nehmen Volkskunst  und andere Ethnien einen Platz in ihrem Werk ein. Sie ziehen 1924 nach Paris. Dort halten beide Künstler sowohl die Armut als auch den Glamour der 1920er-Jahre fest. In den 1930er-Jahren ziehen sie von Paris nach Brüssel, wo die drohende Kriegsstimmung zunehmend in Boutens Werk sichtbar wird. In Brüssel entstehen auch die meisten seiner Skulpturen. Korevaar hingegen scheint aus unbekannten Gründen mit dem Malen aufgehört zu haben.

Hanny met ‚Vrouw in stad‘, Parijs ca. 1925. Foto Rijksbureau voor Kunsthistorische Documentatie, nr. 5020

Als das Nachkriegsleben in Brüssel zu teuer wird, kehren sie 1953 nach Amsterdam zurück. Ihre Existenz endet tragisch: sie sterben arm und weitgehend vergessen.

Korevaar und Bouten stellten nur dreimal gemeinsam aus: zweimal in Amsterdam (1922 und 1924) und einmal in Venlo (1924). Für Korevaar waren dies sogar die einzigen Gelegenheiten, ihre Werke öffentlich zu sehen – sie stand zeitlebens im Schatten ihres Mannes.

Die Ausstellung in Venlo ermöglicht nun einem breiten Publikum die Begegnung mit dem Werk beider Künstler und schenkt zugleich der lange unbekannten Korevaar Aufmerksamkeit, die sie verdient.

Das Museum van Bommel van Dam im ehemaligen Hauptpostamt (wenige Schritte vom Bahnhof entfernt) zeigt moderne und zeitgenössische Kunst. Den Grundstock der Kollektion bildet die Kunstsammlung von Maarten und Reina van Bommel-van Dam. Das Museum verfügt über ein umfangreiches Konvolut an Kunst aus der Nachkriegszeit und der Gegenwart und präsentiert ein  ausgedehntes Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm.

Weitere Informationen und Tickets gibt es hier.

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