Was bei zu wenig Jod nicht hilft

Desinfektionsmittel sind nicht geeignet für die Jodversorgung, sagt die  Verbraucherzentrale NRW. Sie warnt vor Gesundheitsgefahren, die durch „Lugolsche Lösung“ und ähnliche Mittel ausgelöst werden. Die Verbraucherschützer haben herausgefundenn: die „Lugolsche Lösung“ wird im Internet als eine Art  Nahrungsergänzungsmittel gegen Jodmangel verkauft. Tatsächlich aber handelt es  sich um ein früher in der Medizin verwendetes Desinfektionsmittel zur äußeren  Anwendung, das heute fast nur noch im Labor Anwendung findet. Der Jodgehalt ist  extrem hoch und die Einnahme kann zu schweren Gesundheitsstörungen führen.

So sieht das Mittel aus, vor dem die Verbrauhjerschützer warnen

Die  Verbraucherschützer haben in einem Marktcheck die Angaben von 14 verschiedenen  Online-Angeboten untersucht . Das Ergebnis „Von der Einnahme muss klar  abgeraten werden“, sagt Angela Clausen, Expertin für Nahrungsergänzungsmittel „Wir haben es bei diesen Produkten mit einer so  hohen Jod-Dosierung zu tun, dass der Konsum gesundheitsgefährdend ist.“  Ein Tropfen enthält mehr als das 40fache der Zufuhrempfehlung.  Es stimme zwar, dass die Jodversorgung in Deutschland rückläufig ist, „aber es  besteht keinerlei Anlass für derart drastische Überversorgungen. Für die  Behandlung von nachgewiesenem Jodmangel sind angemessen dosierte Arzneimittel  zugelassen“, wird die Dame in einem Rundschreiben der Verbraucherschützer zitiert.

Schon ein kleiner Tropfen (0,05 Milliliter) der Lösung  enthält mit ca. 6,3 Milligramm mehr als das 40fache der  Zufuhrempfehlung für Erwachsene von 150 Mikrogramm Jod am Tag. In einem  Milliliter der Lösung sind 126.000. Behauptungen, dass man mit Hilfe dieser Substanz ganz unproblematisch das Immunsystem stärken und selbst etwas gegen  Schilddrüsenerkrankungen oder gar Brustkrebs unternehmen könne, entbehren jeder  Grundlage. Stattdessen kann der sehr hohe Jodgehalt laut Fachleuten zu massiven  Funktionsstörungen der Schilddrüse führen – bis hin zu einer  Schilddrüsenunterfunktion oder einem Kropf.

Zu der Hype kommt es, weil Jod für den Aufbau der Schilddrüsenhormone benötigt wird. Diese steuern den  Energiestoffwechsel, den Herzrhythmus sowie den Blutdruck. Außerdem sind sie  beteiligt an Prozessen wie Knochenbildung, normalem Wachstum und der Entwicklung  des Gehirns. Jodiertes Speisesalz ist eine gute Quelle. Allerdings ist die  Jodversorgung in Deutschland verbesserungswürdig: Im  Lebensmittelhandwerk, in der Lebensmittelindustrie und in Privathaushalten wird  weniger jodiertes Salz verwendet. Immer mehr Menschen verzichten zudem auf  tierische Lebensmittel, die eine wichtige Jodquelle sind. Alternativen wie Pflanzendrinks sind selten mit Jod angereichert. Und auch der  steigende Anteil von Bio-Produkten in der Ernährung, die grundsätzlich nicht  angereichert werden dürfen, trägt dazu bei. Wichtig ist den  körpereigenen Bedarf ermitteln.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sieht die langfristige  Aufnahme von maximal 600 Mikrogramm Jod pro Tag (aus allen Quellen, also inklusive Lebensmittel,  Salz, Wasser etc.) als unproblematisch für Erwachsene. Für Kinder sind die Werte  aufgrund des geringeren Körpergewichts niedriger.  Jodhaltige Nahrungsergänzungsmittel werden in der Regel mit einer Tagesdosis  zwischen 100 bis 200 Mikrogramm angeboten und dürfen nur Natriumjodid,  Natriumjodat, Kaliumjodid oder Kaliumjodat enthalten. Das Bundesinstitut für  Risikobewertung empfiehlt, dass Nahrungsergänzungsmittel für Personen ab 15 Jahren nicht mehr als 100 Mikrogramm oder 150 Mikrogramm für schwangere und  stillende Frauen pro Tag enthalten sollten.

Mehr zu Jod gibt es hier. Mehr zu Nahrungsergänzungsmitteln hier

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