40 Jahre Jean-Claude Bourgueil in Kaiserswerth

jean-claude fiDer volkstümliche unter den nicht gerade zahlreichen 2-Sterne-Köchen in Deutschland, Jean-Claude Bourgueil, feiert sein 40jähriges Jubiläum im Schiffchen in Kaiserswerth. Wenn man so will, vor den Toren Mönchengladbachs. Jedenfalls ist es ein Katzensprung mit der Fähre in Lank über den Rhein. Und so nah ist kein anderes mit zwei Sternen vom Michelin ausgezeichnetes Lokal. Zum Jubiläum gibt es ein Wagyu Menu mit den edlen Zutaten, die dieses Rind verdient.

Als Jean-Claude 1977 das Schiffchen in Kaiserswerth übernahm war er Küchenchef der Walliser Stuben in Düsseldorf, das damals von der Redaktion des Michelin ebenfalls so gelobt wurde wie jetzt das Schiffchen. Wie es heißt, ist so eine Spitzenküche einen Umweg wert, wenn man schon in der Nähe ist.

Eigentlich wollte Jean-Claude, wie er im Gespräch mit dem Gladbacher Tageblatt erzählt, nur einige Jahre hier bleiben, fühlte sich noch auf den Lehr- und Wanderjahren. Doch es kam anders, er wurde sesshaft, vor 32 Jahren kam sein zweiter Sohn auf die Welt, der eigentlich sein Nachfolger in Kaiserswerth werde sollte. Dafür wurden im vergangenen Jahr noch einmal € 250 000 in die Küche investiert, aber auch hier wollte es das Schicksal anders. Er hat heute in Flingern, ein anderer Vorort der Landeshauptstadt, ein Bistrot und ist glücklich damit.

Die Volkstümlichkeit Jean-Claudes (geboren am 01.05.47 in Sainte-Maure-de-Touraine, eine für Kulinarik berühmte Region Frankreichs) hat sich in all den Jahren manifestiert. In den 90ger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde er mit dem Satz zitiert: „Der wichtigste Inhaltsstoff überhaupt aber ist die Liebe. Nicht umsonst ist der Begriff „Großmutters Küche” mit so vielen positiven Emotionen belegt. Die Großmütter kochten früher immer mit viel Liebe. Sie wollten ihrer Familie etwas Gutes tun. Und so viel Liebe kann man schmecken! Das läßt sich auch auf gute Restaurants übertragen: Spitzenköche haben Freude daran, ihre Gäste mit gutem Essen zu verwöhnen. Diese Freude und Sorgfalt schlägt sich ganz klar in der Qualität nieder.”

Auch bei dem Empfang der er aus Anlass des Jubiläums gab ließ er es sich nicht nehmen, seinen Gästen das Rezept des Pfefferpotthast zu verraten, eine Spezialität der westfälischen Küche.

Legendär ist auch ein Schwank aus seinem Leben, der sich auch in den 90ger Jahren zutrug und was der Rheinischen Post eine Meldung wert war: „Sternekoch rammt Pizza-Taxi” titelte die in Düsseldorf erscheinende Zeitung und schilderte: Nach getaner Arbeit wollte Bourgueil noch einen Dämmerschoppen nehmen in Düsseldorfs nobler Bar Bogletti in der Scheurenstraße. Beim Einbiegen übersah er ein Pizzataxi, weswegen es eine Karambolage und nicht den ersehnten Cocktail „Prince of Wales” gab. Als die polizeilichen Formalitäten zuende waren, hatte die Bar geschlossen.

Jean-Claude ist kein Stiller unter Deutschlands Sterneköchen. Man sieht ihn ebenso beim Schleswig-Holstein Gourmetfestival wie beim Weinblütenfest vor seiner Haustür oder auf Einladung in den Küchen der Spitzenhotels in der Umgebung. Er hat einen jungen Sous Chef, so daß uns seine von Liebe durchdrungene Küche noch lange erhalten bleibt.

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