Brief des OB, Frank Meyer

Der OB der Stadt Krefeld bittet in einem offenen Brief um Verständnis für die Maßnahmen, welche nach verbreiteten Meinung dazu geeignet sind, das Infektionsgeschehen um Corona einzudämmen. Wir bringen das Schreiben, ganz leicht gekürt.

Liebe Krefelderinnen und Krefelder,

in der aktuellen Lage muten wir Ihnen Regeln zu, die unzumutbar sind. Ich wollte nie in einem Land leben, das seine Bürgerinnen und Bürger per Ausgangssperre zu Hause festhält, ihre Freiheiten einschränkt und Kindern untersagt, ihre Schule zu betreten. Es war für mich unvorstellbar, dass in Deutschland solche Vorschriften gelten könnten.

Trotz dieser inneren Überzeugung hat der Krisenstab unter meiner Leitung entschieden, die geltenden Corona-Beschränkungen nochmals zu verschärfen und dem Wort „Notbremse” seine eigentliche Bedeutung zurückzugeben – als harter, schneller Eingriff zur Vermeidung eines Unglücks, das sonst viele Menschen das Leben kostet.

Ich möchte Ihnen gerne nochmals verdeutlichen, warum wir zu solchen Schritten gezwungen waren. Wir beobachten in Krefeld seit etwa zwei Wochen, dass die Corona-Infektionen deutlich zunehmen. Ich will die Zahlen zur Inzidenz und zur Auslastung der Kliniken hier nicht wiederholen, denn sie sagen alle das Gleiche aus: Die Lage ist ernst, sehr ernst. Wenn wir nicht handeln, gerät sie außer Kontrolle. Noch mehr Tote und noch mehr schwer kranke Menschen, teils mit lebenslangen Folgeschäden, wären zu beklagen. Unsere Ärztinnen und Ärzte würden nicht mehr allen helfen können.

Jeder dieser Fälle ist mehr als eine Zahl in der Statistik. Hinter jedem dieser Fälle steckt ein Mensch mit Familie, Freundeskreis, sozialem Umfeld, Träumen und Lebensplänen. Viele dieser Menschen können wir retten, wenn wir jetzt noch einmal die Zähne zusammenbeißen und uns gemeinsam dieser historischen Krise entgegenstellen.

OB Frank Meyer, Foto Pressestelle der Stadt Krefeld

Dazu müssen wir nach Ansicht der Expertinnen und Experten überall dort, wo bei gutem Wetter viele Menschen zusammentreffen, Maske tragen – auch draußen. Dazu müssen wir abends zu Hause bleiben, weil sonst die Versuchung zu groß ist, dem Wunsch nach Nähe nachzugeben. Dazu müssen wir Orten fernbleiben, an denen Kontakte entstehen. Andernorts hat sich gezeigt, dass diese Maßnahmen Wirkung zeigen. Sie werden dazu beitragen, die Infektionszahlen zu senken und die Lage zu entspannen.

Ich weiß, dass viele Menschen in Krefeld – Kinder und Familien, Kunstschaffende, Gastronomen, Einzelhändler – stark unter den Corona-Beschränkungen gelitten haben. Für jeden Einzelnen tut mir das sehr leid. Aber dem Teufelskreis von Lockdown und Lockerung werden wir nur entfliehen, wenn die Zahlen dauerhaft nach unten gehen.

Dabei hilft nur Disziplin – und dabei werden natürlich auch die Impfungen helfen. Es geht damit voran, aber immer noch zu langsam. Ich möchte den Versprechen glauben, dass in den nächsten Wochen deutlich mehr Impfstoff unsere Stadt erreicht. Jede Dosis, die verabreicht wird, ist eine gute Nachricht für unsere Gesellschaft.

Lassen Sie uns gemeinsam diese hoffentlich letzte große Anstrengung wagen. Halten wir uns an die Regeln, um uns die Normalität Stück für Stück zurück zu erkämpfen. Wir sehnen uns alle danach. Aber der einzige Weg zum Licht führt durch einen weiteren Tunnel. Wir müssen zusammenhalten, damit es gelingt. Bleiben Sie stark und gesund.

Frank Meyer

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