Ein Großmarkt mit Potential

Bald werden die letzten Baken, Absperrungen und Baustellenschilder vom Krefelder Großmarkt verschwunden sein. Die langjährige Sanierungsphase für die Ausgeh- und Einkaufsmeile ist damit beendet. Rund € 6 Millionen hat das Zentrale Gebäudemanagement (ZGM) der Stadt Krefeld hier investiert, um die bald zehnjährige Tradition des Marktes in die Zukunft zu führen. „Das ist ein Sehnsuchtsort für viele Menschen“, wird ZGM-Leiterin Astrid Schüßler zitiert. „Die Bauphase war für alle Beteiligten keine leichte Zeit. Aber hier ist so viel Energie, Power und Initiative hineingeflossen, dass jetzt ein guter Neustart möglich ist.“

Ihr Mitarbeiter Klaus Richter ist seit 2012 für den Großmarkt zuständig, seit 2018 betreut er die Projektentwicklung für das Areal. Seinerzeit fand er als Projektleiter neben einem Instandhaltungsstau Leerstände, Mietverträge mit unklaren Regelungen, illegal abgelagerten Müll und eine unklare Verkehrsführung. Planunterlagen waren unvollständig oder fehlten ganz. Diese Situation war so prekär, dass ein Verkauf des Areals zur kommerziellen Nutzung zur Debatte: stand, was Oberbürgermeister Frank Meyer verhinderte mit dem Auftrag das Areal weiterzuentwickeln.“

Dabei waren einschneidende bauliche Maßnahmen nötig. Die uralten und maroden Abwasserkanäle mussten saniert, Gas- und Wasserleitungen erneuert, einGlasfasernetz installiert werden. Nun können 600 Kubikmeter Regenwasser aufgefangen  werden, einEreignis, das statistisch alle 100 Jahre vorkommt.

Ein weiterer Meilenstein für den Großmarkt war die Überarbeitung alter Mietverträge. Für Räume, die nur als Lagerflächen genutzt wurden, hat das ZGM sie komplett gekündigt, um stattdessen vermehrt Gastronomie, Handel und Veranstaltungsorte anzusiedeln. Die Verträge wurden einheitlich und rechtssicher gestaltet, es gilt die ortsübliche Gewerbemiete. Den letzten freien „Stand“, wie man in der traditionellen Begriffsprägung des Großmarkts sagt, wird in Kürze ein vietnamesischer Betreiber mit einem Mix aus Einzelhandel und Gastronomie übernehmen.

Um das Gelände besser in Ordnung zu halten, wurden in einem weiteren Schritt Verkehr und Infrastruktur neu geregelt. Das beginnt bei Hinweisschildern, setzt sich fort über die Optimierung von Parkflächen und endet bei großzügigen Stellplätzen für Fahrräder. „Früher standen hier manchmal bis zu 20 schwere Lastwagen, die nichts mit dem Großmarkt zu tun hatten“, sagt Klaus Richter. Um dies zu verhindern, wurden Schranken und Poller installiert, die Gastronomie-Zeile ist jetzt komplett verkehrsberuhigt. Die Vermüllung ist deutlich zurückgegangen, auch dank der neuen Papierkörbe und eine Bepflanzung, die den optischen Gesamteindruck verbessert. Es gibt einen Hausmeisterdienst, der schaut regelmäßig nach dem Rechten.

Bei den Mietern kommen die Veränderungen gut an – so schwierig die Bauphase auch war. „Wir haben zwei Jahre nur auf die Stadt geschimpft“, sagt Dirk Matura, der auf dem Großmarkt das „Wine House“ betreibt in einem Gespräch mit dem Presseamt der Stadt. „Aber im Nachhinein muss man sagen: Das ist alles gut gelaufen. Wir mussten keinen einzigen Tag schließen, die Handwerker waren sinnvoll koordiniert.“ Für ihn sei der Großmarkt ein „Herzensprojekt“, so Matura: „Ich bin schon als Jugendlicher hierhergekommen.“

Im hinteren Bereich des Geländes werden die Betreiber des „Wine House“ künftig einen rund 1.000 qm großen Biergarten in Container-Optik „bespielen“. Ein „Ort für junge Leute“ soll das werden, wo auch mal Bands spielen oder DJs auflegen. „Der Großmarkt kann auch überregional funktionieren“, ist Matura überzeugt. „Ich stelle mir das vor wie früher in der legendären Rhenania-Allee. Hingehen und Leute treffen. Je mehr los ist, umso besser ist das für alle hier.“

Zum Neustart für den Großmarkt nach erfolgreicher Sanierung standen dem Presseamt für Gespräche zur Verfügung: Felix Hakes vom Gazelle Store, Gastronom Edon Maloku, Seyhan Hauenherm von Olio Mediterraneo, ZGM-Leiterin Astrid Schüssler, Dirk Matura vom „Wine House“ sowie Klaus Perau und Klaus Richter vom ZGM (v.l.n.r.), Fotos: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, D. Jochmann
 

Das bestätigt Edon Maloku, der vor einem Jahr das spanische Restaurant La Cañita am Großmarkt eröffnet hat. „Das hier war immer ein Treffpunkt für unterschiedliche Menschen“, sagt der Gastronom. „Die Stadt hat uns ein Entwicklungspotenzial aufgezeigt. Und ich glaube daran, dass aus dem Großmarkt künftig noch ein größerer Anziehungspunkt werden kann.“ Die Mieter wollen dafür an einem Strang ziehen, erklärt Seyhan Hauenherm, die seit Jahren den Laden Olio Mediterraneo betreibt. „Ohne die Vielfalt der Angebote wäre der Großmarkt nur halb so kraftvoll. Wir sind sehr dankbar, dass hier so viel investiert wurde.“ Mögliche Ideen für die Zukunft gibt es viele: „Warum nicht mal ein größeres Festival oder im Winter auf der gesamten Fläche ein Weihnachtsmarkt?“, sagt Dirk Matura.

Tatsächlich ist der frisch sanierte Großmarkt längst nicht am Ende seiner Möglichkeiten. Regelmäßige Mieterversammlungen sollen den Zusammenhalt stärken, das Gemeinschaftsgefühl aus der Bauphase wollen die Mieter mitnehmen. Auch Klaus Richter vom ZGM spricht von einem „Wir-Gefühl“, das den Großmarkt weiter beleben kann. Der Ort hat Tradition und Charakter, doch er lässt auch viel Spielraum für neue Ideen und Konzepte.

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