Krefeld weiter im Griff von Corona

Die Inzidenz, die magische Zahl, mit der das Infektionsgeschehen gesteuert wird, liegt in Krefeld unter 50. Bereits am Donnerstag, dem 03.06.21, war sie von zuletzt 57,6 auf 47,9 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gefallen. Für den gestrigen Freitag gibt das Robert-Koch-Institut sie nun mit 42,7 an. Sollte der Wert stabil unter 50 bleiben, ist mit weiteren Normalisierungen des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens zu rechnen.

In den Krefelder Kliniken werden aktuell 16 Patienten, die ihren Wohnsitz in Krefeld haben, behandelt.  In Gladbach sind es zehn. Zwei liegen in Krefeld auf der Intensivstation und werden künstlich beatmet. 

Wie die Stadtverwaltung auf ihrer Webseite mitteilt, hat der Kommunale Ordnungsdienst am Mittwoch auf der Skateanlage Voltaplatz und auch im Stadtwald mit Unterstützung der Polizei Ansammlungen von Menschen aufgelöst. Auf der „großen Wiese” im Stadtwald hielten sich am Mittwochabend bis zu 500 Personen auf. Abstände wurden nicht mehr eingehalten. Nach mehreren Ansprachen und zwei Platzverweisen löste sich die Ansammlung auf. Am Voltaplatz hatten sich rund 80 Personen zusammengefunden. Auch hier untersagten die Ordnungskräfte den Aufenthalt auf der Anlage.

Darüber hinaus hat der KOD die Einhaltung der Quarantäne-Vorschriften in 21 Fällen überprüft. Drei Personen konnten nicht zu Hause angetroffen werden. Sie erwartet ein Bußgeldverfahren. In den Fußgängerbereichen der Innenstadt und der Stadtteile wurden aktuell keine Bußgelder verhängt. Gleichwohl ist die Maskenpflicht in diesem Bereich erneut verlängert.

An drei Schulen sind Fälle von Covid-19 aufgetreten. Am Maria-Sibylla-Merian-Gymnasium müssen nach einem positiven Test insgesamt 41 Kontaktpersonen in häusliche Quarantäne. An der Gesamtschule Kaiserplatz müssen sich nach einem Corona-Fall 36 Personen in der eigenen Wohnung isolieren. Sechs Personen sind nach einem Fall am Berufskolleg Vera Beckers von einer Quarantäne betroffen.

Kurz vor der Freigabe der Impfungen für alle Bürger gerät die Impfkampagne mehr und mehr ins Stocken. Wie die städtische Gesundheitsdezernentin Sabine Lauxen erklärt, hat das Land NRW sämtliche Bestellungen des Krefelder Impfzentrums für die kommende Woche storniert. „Wir leben aktuell nur noch von unseren eigenen Vorräten. Die Impfzentren werden ausgehungert, gleichzeitig bekommen aber auch die niedergelassenen Ärzte nicht genügend Impfstoff. Wir können das Tempo beim Impfen derzeit nicht steigern, noch nicht einmal halten”, sagt Sabine Lauxen. So sind sämtliche Erstimpfungen mit wenigen Ausnahmen ausgesetzt. „Es kann auch vorkommen, dass wir in den nächsten Tagen Impftermine von heute auf morgen absagen müssen”, so Sabine Lauxen. Auch die geplanten erneuten Impfangebote an Seniorenheime für neu hinzugekommen Bewohner oder Mitarbeiter müssen vorerst warten: 

An der Sonder-Impfaktion im Quartier Bleichpfad wird die Stadt Krefeld festhalten. Dafür hat das Land NRW ein Sonderkontingent zur Verfügung gestellt. 1500 Dosen des Impfstoffs von Johnson & Johnson sollen am nächsten Wochenende, 12. und 13. Juni, verabreicht werden. Alle Einwohner über 18 Jahre haben dazu einen Brief des Oberbürgermeisters sowie eine Übersetzung in acht verschiedenen Sprachen erhalten. Die Impfungen werden in der Mosaikschule vorgenommen. Derweil hat die Einbeziehung der Betriebsärzte in die Impfkampagne bei den größeren Unternehmen ohne größere Probleme begonnen. „Kleinere und mittlere Betriebe haben mitunter Schwierigkeiten, wie eine Abfrage der IHK ergeben hat. Hier werden wir mit dem städtischen Impfzentrum auf jeden Fall helfen”, verspricht Sabine Lauxen. 

Mit der Möglichkeit eines Public Viewings zur Fußball-Europameisterschaft will die Stadt restriktiv umgehen: „Ein Fernseher in der Außengastronomie ist sicher kein Problem. Aber große Leinwände für Menschenansammlungen sehen wir skeptisch”, sagt Stadtdirektor Markus Schön.

Die vollständige Öffnung der Schulen hat nach Aussage des Stadtdirektors und Schuldezernenten gut funktioniert. Nur das Ausstellen von Testbescheinigungen durch die Lehrer sorge für einen massiven administrativen Aufwand. Darüber hinaus bereite es den Betroffenen großen Frust, dass viele Lehrkräfte an weiterführenden Schulen noch nicht geimpft seien. „Ich sehe hier das Land als Dienstherrn in der Pflicht. Wir haben schlicht und einfach den Impfstoff nicht.” 

Am Montag, dem 07.06.21, sollen auch die Kindertagesstätten in den Regelbetrieb gehen. Im Freibad Bockum ist das Gelände am Samstag geöffnet worden, für  60 Personen. Das ist natürlich lediglich eine symbolische Öffnung. Mehr ist  erst bei weiter fallenden Infektionen mit dem Corona-Virus zu erwarten, wie schon eingangs erwähnt.