Nahrung für die Seele

Wer des Rationalen überdrüssig oder an dessen Grenzen stößt, ist für Esoterik ansprechbar, ist das doch ein Weg zu neuen Ufern. Und vielleicht ist das Gras auf der anderen Seite des Flusses ja auch wirklich saftiger. Und wenn nicht? Der Weg zurück ist nicht versperrt.

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, ist nicht nur ein Spruch sondern beschreibt das Bedürfnis, nach Nahrung für das Gemüt, auch Seele genannt. Seit es Menschen gibt, suchen sie nach etwas, was diesen Bereich erklärt und ernährt. Ein Rausch ist als Möglichkeit erkannt, dem näher zu kommen.

Nun gibt es viele Möglichkeiten, sich einen Rausch zu verschaffen. Schon ein Spaziergang am Meer oder im lichten Wald, die Begegnung mit einem geliebten Tier oder Menschen, kann so etwas bewirken. Das ist eine Frage der Sensibilität. Und dann gibt es natürlich noch die bekannten oder unbekannten Rauschmittel. 

Die Mutter der Ayahuasca erscheint manchmal als Kolibri

Jeremy Narby und Rafael Chanacari Pizuri sind sich am oberen Amazonas begegnet, dort wo es „Meisterpflanzen“ gibt, Tabak und Holz mit dem ein Trank angerührt wird, der von Einheimischen Ayahuasca genannt wird, Beides sind Stoffe, die jenseits des Bewusstseins führen können. Von den beiden Männern ist Jeremy fest in der Gedankenwelt des Abendlands verbunden, er ist Anthropologe, Rafael ist eingeborener Peruaner, andere nennen ihn Schamane, Er ist jedenfalls jemand, der der Welt jenseits des Rationalen näher steht. Er ist ein Geschichtenerzähler, ja auch Heiler dort, wo er zu Hause ist. Gerade Menschen, die Heilung suchen und sie in der rationalen Welt trotz aller Bemühungen nicht finden, sind so ansprechbar.

Die beiden erwähnten haben eine Broschüre verfasst, die der Nachtschatten Verlag im schweizerischen Solothurn verlegt hat und die sich mit dem befasst, was „Meisterpflanzen“ sind, Gewächse, die Kraft über Menschen ausüben können. Dabei ist den Autoren durchaus bewusst, dass sie sich mit etwas Gefährlichem beschäftigen und werden auch nicht müde, darauf hinzuweisen.

Nun, Tabak ist etwas, was in unserem Kulturkreis, seit er sich den Amerikas näherte, durchaus bekannt ist. In seiner zivilisierten Form, der Zigarette, ist er inzwischen denaturiert und geächtet, in den anderen Formen weitestgehend ausgestorben. Dass von ihm positive Wirkungen ausgehen ist bekannt, inwieweit diese die negativen überwiegen, muss jeder für sich selbst ausmachen.

Bei Ayahuasca liegen die Dinge anders. Im Buch heißt es, die Sache habe vielfältige Mütter und Seelen. Rein dinglich wird der Stoff aus einer Lianenart angerührt, die DMT enthält, ein Stoff, der auf Neuronen wirkt. Wenn man ihn einfach oral zu sich nimmt, wird er abgebaut, bevor er die Areale erreichen kann, in denen der Mensch Neuronen hat, deshalb wird dem Saft ein Blocker hinzugefügt, der den vorzeitigen Abbau hemmt. Was das ist, ist nicht bekannt und dürfte von Fall zu Fall auch unterschiedlich sein. Schon das zeigt, wie gefährlich das ist, denn von dem einen zu viel und dem anderen zu wenig, kann Schäden verursachen. Das Erbrechen, was nach dem Genuss des Stoffes regelmäßig auftritt, wird allerdings als normal oder sogar reinigend apostrophiert.

Wie man sieht, ist der Weg zum anderen Ufer schon mal mit Steinen gepflastert. Bleibt zu hoffen, dass dort das Gras dann saftig ist.

Ayahuasca und Tabak, Broschüre, Format 12 cm x 20,2 cm, Umfang 116 Seiten, ISBN 978-3-03788-473-7, Preis € 14,80.