Vergleichsportale führen in die Irre

Vergleichsportale versprechen Hilfe: Bis zu 4.000 Euro jährlich könne eine Familie sparen, wenn sie bei Versicherungen und Tarifen für Strom, Gas, DSL und Mobilfunk zu günstigeren Anbietern wechsle, so wirbt Check24, das größte Vergleichsportal. Konkurrent Transparo spricht von bis zu 850 Euro Ersparnis allein durch einen Autoversicherungswechsel. Und das bei Strom- und Gasangeboten führende Portal Verivox lockt mit bis zu 500 Euro mehr Geld in der Haushaltskasse durch günstigere Stromtarife.

Was die wenigsten wissen: Die Portale sind nicht unabhängig, und sie erfassen nicht den ganzen Markt: Günter Hörmann, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Hamburg, rät deshalb zu Vorsicht: »Verbraucher sollten niemals nur ein Vergleichsportal nutzen, sondern sich immer bei mehreren Quellen informieren.« Es wurden sogar unbestätigte Vorwürfe laut, empfohlen würden Unternehmen, welche die höchsten Provisionen zahlten.

Ein Beispiel verdeutlicht zudem, wie es um die Unabhängigkeit der Portale bestellt sein könnte: Nachdem sich Check24 mit dem Versicherer HUK Coburg wegen angeblich überzogener Provisionen überworfen hatte, flog dieser aus den Rankings. Daraufhin gründete der Versicherer mit Transparo selbst ein Vergleichsportal; seitdem sieht er sich der Frage ausgesetzt, welche eigenen Interessen er mit den Empfehlungen verfolgt.

Das Geschäft mit den Onlinelisten floriert– vor allem auf dem Strom- und Gasmarkt, auf dem sich inzwischen mehr als 1.000 Anbieter tummeln. Rund 80 Prozent der wechselwilligen Stromkunden informieren sich laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney vor einem Wechsel ihres Strom- oder Gasversorgers über ein Vergleichsportal. Die Hälfte führt den Anbieterwechsel online durch. 30 bis 60 Euro sei Energieversorgern ein neuer Kunde wert, sagen Branchenkenner. Teils flössen auch höhere Summen, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Bei jährlich rund sieben Millionen, die ihren Stromanbieter wechseln, ist das ein Hunderte Millionen Euro schweres Geschäft.

In den kommenden drei Jahren soll die Zahl der Wechselkunden am Strom- und Gasmarkt laut A. T. Kearney weiter stark zunehmen.

Quelle: Die Zeit online

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