Werbung für die Kunst

Kann man für die Kunst werben? Ja, meint der Marketing Club Mönchengladbach e.V. und lud seine Mitglieder ins Städtische Museums Abteiberg ein und Susanne Titz widmete sich ihnen. Sie ist wohl Intendantin des Kunstbetriebs in der Vitusstadt ist, obwohl offiziell nur den Titel Direktorin des Museums tragend. Die Dame, Jahrgang 1967, im rheinischen Stolberg geboren, ist das seit 2004 und kam an ihren Job, als sich der Kulturausschuss für sie entschied, wohl in Anbetracht ihrer Verdienste, die sie sich zuvor in Aachen erwarb, wo sie den „Neuen Aachener Kunstverein“ aus der Bedeutungslosigkeit in die Reputation führte und das mit kleinem bis unbedeutendem Budget. Das dürfte den Gladbacher Rat bewogen haben, unabhängig von ihrer ansehnlichen Qualifikation, aber die hatten auch ihre Mitbewerber.

In Gladbach wurde sie engagiert, wenn auch vielleicht unausgesprochen, das Museum zu so etwas wie einen Imageträger zu machen, wie es der Fußballverein einmal war und möglicherweise wieder auf dem Weg dazu ist. Potential ist hier wie da vorhanden. Nur, der Fußballverein ist schon ein wenig weiter.

Wie erinnerlich wurde das Museum Abteiberg 1982 nach zehnjähriger Bauzeit feierlich eröffnet. Entstanden ist es nach Plänen von Hans Hollein, der sie in Zusammenarbeit mit Johannes Cladders , einer der Vorgänger von Susanne Titz, zustande brachte. Hollein, gefeierter Architekt aus Wien, hat in Gladbach etwas geschaffen, was weltweit Aufsehen erregte, eine Tatsache, die den Gladbachern selten zu Bewusstsein kommt. Das liegt auch daran, weil sie mit ihrem Museum auf dem Abteiberg ein wenig fremdeln, wie Susanne Titz, der Versammlung nahe brachte.

Beuys auf einem Happening als das Museum noch auf der Gladbacher Bismarckstraße war

Das könnte begründet sein aus exponierter Lage an einem steil abfallenden Hang, daran, dass das Gebäude immer noch fertig ist – der zweite Bauabschnitt ist nicht verwirklicht – und der Eingang – er selbst wird als eine Hommage an griechische Architektur bezeichnet – ist keine rechte Verbindung mit der Stadt. Susanne Titz ist darüber, wie sie dem Krefelder Blatt auf Befragen sagte, beständig mit Gregor Bonin, dem ersten Beigeordneten und für Städtebau Zuständigen im Gespräch, aber der ist im Augenblick mehr mit dem zu bauenden Rathaus beschäftigt, was sie natürlich nicht sagt.

Wie eine Glanzzeit des Gladbacher Fußballvereins, so liegt eine des Mönchengladbacher Museums einige Zeit zurück. Ist es Zufall oder gewollt, beide sind in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts angesiedelt. In der Kunst war es in Deutschland die Zeit von Fluxus und Happenings, auch die von Joseph Beuys, der eine seiner ersten aufsehenerregenden Ausstellungen im Gladbacher Museum veranstaltete, das damals auf der Bismarckstraße beheimatet war. Er ebnete einem Kunstverständnis den Weg, bei dem nicht der Künstler im Mittelpunkt steht, sondern Ich und Du mitgestaltend, etwas, was in Vergessenheit geriet.

Susanne Titz vor Gemälden von Sigmar Polke

Werben für die Kunst im Museum Abteiberg. Noch bis zum 16 Februar ist eine Ausstellung von Jutta Köther zu sehen, die mit ihren Zeichnungen auch Themen von Joseph Beuys zitiert. Es ist hier nicht der Raum, ausführlich auf alle Exponate einzugehen, die einen Besuch lohnend machen, wohl erwähnt sei Sigmar Polke (1941-2010), der mit seinen sechsteiligen Zyklus anwesend ist, den er für die Bienale Venedig im Jahr 1986 schuf, monumentale Kunstwerke, die nie wieder einen anderen Ausstellungsplatz finden können, weil sie nicht transportfähig sind.

Erwähnenswert ein Raum mit grauen Bildern von Gerhard Richter. Hier fällt der Satz ein der Künstler ist das Medium.