Wie kriege ich mehr Leben hinein?

Ein Sommer neigt sich, der so war, wie ihn sich die Menschen wünschten, die lebten, als Rudi Carell sang, „wann wird es endlich wieder Sommer?“. Damals freute man sich über jeden sonnigen Tag. Die meisten waren verregnet und kühl. Nun gehen die goldenen Tage zu Ende, und ein Blick in den Garten lässt den Wunsch keimen, etwas für Natur- und Artenschutz tun zu wollen. Dabei kann ein Buch (auch als eBook) aus dem Leopold Stocker Verlag helfen, das soeben in zweiter Auflage erschienen ist (ISBN978-3-7020-1929-7). Es befasst sich auf ungefähr 178 Seiten mit dem Artenschutz im eigenen Garten.

Bienenbesuch bei der Wilden Malve, Foto Sofie Meys

Während im vorigen Jahrhundert Insekten unnachgiebig mit „Pflanzenschutzmitteln“ ausgerottet wurden und in den Wäldern kein Pieps mehr zu hören war, weil es damit natürlich auch den Vögeln an den Kragen ging, hat sich diese Weltanschauung zum Glück geändert. Es hat sich herausgestellt, es gibt viele Tiere, die bei der natürlichen Ordnung helfen, doch nur Nisthilfen anzubringen ist zu wenig, es kommt auch auf die Gartengestaltung an, die diesen Tieren Lebensraum und Nahrungsquelle bietet. Berücksichtigt man dies, verwandelt sich der Garten in eine Oase der Vielfalt und des Lebens. Wir dürfen ein paar Zeilen aus dem Buch zitieren.

WIE FÖRDERE ICH DEN ARTENREICHTUM IM GARTEN?
Zweifellos ist es in der Natur so, dass Pflanzen und Tiere eine Art symbiotische Einheit bilden. Nützliche Gartentiere ohne entsprechende Pflanzen gibt es nicht! Sie leben mit und voneinander. Wünschen wir uns daher viele nützliche Tiere, die in unserem Garten eine Heimat finden, sollten wir an allererster Stelle auf ein umfangreiches Angebot an möglichst heimischen Pflanzen achten. Als grobe Faustregel gilt: 1 heimische Pflanzenart bringt rund 10 Tierarten in den Garten! Am meisten Tiere finden sich im Garten ein, wenn entsprechende heimische Gehölze vorhanden sind. Je nach Baum- oder Strauchart können es mehrere Hundert Tierarten sein, die sich hier ernähren, ob es sich nun um Asseln, Spinnen, Bienen, Falter oder die große Schar der Vögel handelt. Bäume und Sträucher sind einfach der Hit im Reich der Tiere. Nicht minder wichtig sind daneben ausdauernde Krautpflanzen sowie Zweijährige und auch die einjährigen Sommerblüher. Auf die Vielfalt kommt es schließlich an sowie auf ein möglichst lückenloses Angebot an Nektar und Pollen rund ums Jahr. 

Die Sache mit den Blümchen und den Bienchen
Warum benötigen wir überhaupt so viele tierische Bestäuber, wenn doch so viele Blüten sowohl eine (weibliche) Narbe als auch (männliche) Staubbeutel in einer einzigen Blüte vereinen? Die Antwort dürfte recht eindeutig ausfallen, denn im Pflanzenreich ist es ähnlich wie auch bei Tieren und Menschen: der Genpool muss beständig aufgefrischt werden, damit gesunde Nachkommen erzeugt werden! 

Damit also Pollen von anderen Pflanzen zur Bestäubung herangezogen werden kann, muss dieser entweder mit Hilfe des Windes oder aber mit Hilfe von (pelzigen) Boten herantransportiert werden. Viele Pflanzen verfügen daher über gewisse Verhinderungsmechanismen, um eine Bestäubung durch die eigenen Blütenpollen auszuschließen. Dies wird manchmal erreicht, indem Staubbeutel und Narbe einer Blüte zu verschiedenen Zeiten heranreifen. Verbreitet ist auch die chemische Unverträglichkeit, die das Wachstum der Narbe durch die Befruchtung mit eigenen Pollenkörnern unterbindet. Und für die eigene gesunde Nachkommenschaft legen sich die Blütenpflanzen so richtig ins Zeug: Mit farbenprächtigen Kronblättern, betörendem Duft und zuckerreichem Nektar locken sie Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und viele andere Insekten an. 

Beginnen wir doch ganz im Kleinen – bei den Insekten. Während diese den süßen Nektar trinken, streifen sie auch die Staubblätter der Blüte, sodass zahlreiche Pollenkörner an den Blütenbesuchern hängenbleiben. Beim Besuch der nächsten Blüte gelangen die Pollenkörner auch zu deren Narbe und befruchten sie. Die nun entstehenden Samen können nun Merkmale beider Elternpflanzen aufweisen! Ausgestattet mit diesem Wissen, könnte man auch ganz gezielt vorgehen und den Pollen einer bestimmten, ausgesuchten Pflanze auf die Narbe einer anderen mit einem Pinsel aufbringen. Um eine Fremdbestäubung zu verhindern, müsste man die behandelten Blüten jedoch mit einem Beutel verschließen, wozu sich Nylon eignet. 

EMPFEHLENSWERTE BIENENPFLANZEN 
Es gibt unzählige Blütenpflanzen oder blühende Gehölze, die nicht nur durch ihre umwerfende Blütenpracht hervorstechen, sondern gleichzeitig auch hervorragende Nektar- und Pollenspender sind. In nachfolgender Liste werden daher einige besonders wertvolle Bienennährpflanzen aufgezählt, die auch optisch überzeugen und/oder leckere Früchte liefern: 

Hitparade der am meist besuchten Bienenpflanzen, die auch optisch überzeugen, sind folgende 
# Apfel (Malus) wie auch Wildbirne und Wildapfel und andere Kultur-Obstbäume 
# Esskastanie (Castanea sativa) 
# Europäische Stechpalme (Ilex aquifolium) 
# Fächer-Zwergmispel (Cotoneaster horizontalis) 
# Gewöhnliche Jungfernrebe (Parthenocissus inserta), ist auch ein Fassadenkletterer! 
# Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus)
# Ginsterarten, z. B. Besenginster (Cytisus scoparius) 

Der Gundermann oder die Gundelrebe, Foto Sofie Meys

Heilkräftige Gundelreben sollte man im Garten dulden und fördern. Das Kraut wird von April bis Juni gesammelt und kann frisch oder getrocknet für Salate, Suppen oder Tee verwendet werden. Gundermann wirkt schleimlösend und sorgt für ein optimales Funktionieren von Magen, Galle und Bauchspeicheldrüse. Die reichlich enthaltenen Gerbstoffe beschleunigen die Wundheilung, sodass eine Mundspülung bei Paradontitis und eiternden Zähnen helfen soll. In früheren Zeiten wurde das Kraut von Malern verzehrt, damit es die in den Farben enthaltenen Schwermetalle aus dem Körper ausleiten sollte. 

Gundermann enthält reichlich ätherische Öle sowie Gerb- und Bitterstoffe, wie etwa Marrubiin. Darüber hinaus ist die Gundelrebe eine hervorragende Bienenweide wie auch ein guter Bodendecker. Die Gundelrebe (Glechoma hederacea) ist auch unter dem Namen Gundermann bekannt. Schon Hildegard von Bingen schätzte das Kraut wegen seiner vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten in der Naturheilkunde. 

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